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Besuch aus Burundi am 4. Mai 2015 · 07.06.2015

Zwei Präsentationen brachten uns unsere Partnerschule in Burundi sehr nahe: zuerst Sechstklässlerinnen sowie Mitgliedern der Burundi-AG und danach Fünftklässlerinnen.

Herr Ullenbruch begrüßte als Leiter der Burundi-AG Sr. M. Nicolette, die seit 15 Jahren in Burundi wirkt und unsere Kontaktperson ist. Mit dem Dank für die Einladung brachte die Missionarin zum Ausdruck, dass am liebsten der Direktor mit einigen Schülerinnen zu uns gekommen wäre.
Gleich zu Beginn der Präsentation versetzte uns Sr. Nicolette mit einheimischen Liedern – begleitet von Trommeln – und einem Bild mit drei afrikanischen Kindern auf einem Baum in das Land Burundi. Nachdem sie mittels einer Afrikakarte die geographischen Verhältnisse erklärte hatte, vermittelte sie uns anhand von Landschaftsbildern einen lebendigen Eindruck von der Schönheit des „Land(es) der tausend Hügel“. Eine Aufnahme zeigte uns die Pfarrkirche von Mutumba, wo viele Kinder und Jugendliche sangen und tanzten. Dann sahen wir Bilder von Primarschülerinnen (Kindern der Grundschule) mit Uniform. Die Anschaffung dieser Uniform und der Kauf von Schulheften stellt Eltern vor große finanzielle Probleme, obwohl in der Grundschule noch kein Schulgeld verlangt wird, sondern erst im Gymnasium. Doch wegen der großen Armut können manche Kinder noch nicht einmal die Primarschule besuchen. Wenn aber der Schulbesuch möglich ist, was die Kinder mit Freude und Stolz erfüllt, sind ein Kugelschreiber und Schulhefte die einzigen Medien der Schülerinnen. Den Lehrern steht neben einigen wenigen Büchern lediglich eine Tafel zur Verfügung, so dass die Schülerinnen sehr viel abschreiben müssen. Doch diese stöhnen nicht, denn sie wissen, wie wichtig und wenig selbstverständlich eine Schulbildung ist.
Vor oder nach dem Unterricht müssen die Schülerinnen helfen, indem sie zum Beispiel Wasser holen, das sehr knapp ist, oder Holz zum Kochen sammeln. Außerdem sortieren manche Bohnen oder Reis. In unserer Partnerschule muss für 400 Schülerinnen Mittagessen zubereitet werden. Es ist ein einfaches Essen, das meist aus Maniokbrot , Suppe und Soße besteht. Neben dem Helfen beim Kochen ist das Putzen der Schule ebenfalls Aufgabe der Schülerinnen. Eine ihrer wichtigsten Tätigkeiten ist das Wasserholen, denn in der neuen Schule gibt es kein fließendes Wasser. Jede Schülerin kommt mit einem Eimer; ihre Kleider muss sie selbst waschen. Häufig holt der Direktor vom See Wasser zum Kochen.
Der Besuch im Heiligtum ist für die Menschen selbstverständlich, auch für die Schülerinnen in ihrer Freizeit. Oft kommen 2000 bis 3000 Personen zum Kapellchen; sie beten die ganze Nacht, weil es keine Schlafmöglichkeiten für sie gibt.
Wie wir auf verschiedenen Bildern sehen konnten, warten im Gesundheitszentrum täglich 100 bis 120 Kranke oder Verletzte auf ihre Behandlung. Weil sie selbst für die Verpflegung nicht aufkommen können, wird ihnen diese aus Spendengeldern ermöglicht. Operationen können aber kaum finanziert werden. Wer schwer krank ist, z. B. Malaria, Würmer oder Lungenentzündung hat, muss im Spital bleiben. Oft fehlt es aber an Medikamenten. Wir konnten noch einen Blick auf die Säuglingsstation werfen, wo auch Marienschwestern tätig sind.
Schließlich bekamen wir nochmals einen Einblick in unsere Partnerschule in Burundi, wo bereits im letzten Jahr die Vorbereitung für das 50jährige Schuljubiläum im Oktober 2015 begann. Als Motto formulierte die Schule folgendes Ziel: „Mit Maria, der Königin des Vertrauens, wollen wir eine gute, solide, individuelle und menschliche Bildung gewährleisten für eine gute Entwicklung des Landes.“ Täglich versammeln sich die Schülerinnen um 7 Uhr an der Landesfahne, wo die Landeshymne gesungen wird und der Direktor wichtige Informationen weitergibt.
Wir konnten in den Schlafsaal der Schülerinnen schauen. Dort stehen Stockbetten; viele Schülerinnen teilen sich ein Bett. Moskitonetze sollen gegen Stechmücken schützen. Eine besondere Plage sind Wanzen. Wegen des Ungeziefers sind die Matratzen häufig durchlöchert; sie müssen immer wieder ersetzt werden.
Sr. Nicolette gab uns einen Überblick, wie unsere Gelder eingesetzt wurden. Dank unserer Hilfe konnten Schulbücher für die Unterrichtsvorbereitung der Lehrer angeschafft werden. Waisenkinder und Kinder armer Eltern bekamen Geld für Schuluniformen, Schulhefte und Seifen. Manche neue Matratzen konnten gekauft werden. Fensterscheiben, die vom Krieg zerstört waren, konnten erneuert werden. Die Schule konnte neu gestrichen werden. Während die Schülerinnen früher im Stehen essen mussten, können sie sich nun dank unserer Unterstützung auf Bänken und Stühlen niederlassen. Die alte Küche, welche die ganze Schule einräucherte, wurde mit einem eingemauerten Topf und einem Kamin versehen. Nun ist nur noch wenig Holz zum Feuern erforderlich. Ein neues Gebäude mit WCs und Duschen soll für bessere Hygiene sorgen. Diese sanitären Anlagen haben wir bereits teilweise finanziert. Leider klappt es noch nicht mit der Wasserzufuhr, weil das Legen von Wasserleitungen erst staatlich genehmigt werden muss. Da es keine Kanalisation gibt, stehen Abwasserbehälter bereit.
Auf einigen Fotos konnten wir sehen, wie unsere Partnerschule – heute eine Art berufsbildende Schule – vor 50 Jahren als Haushaltungsschule aussah.
Nach der Präsentation kam es zu einem kurzen, regen Austausch mit Sr. Nicolette. Die Schülerinnen erhielten auf ihre Fragen folgende Antworten:
Warum gibt es noch keine Wasserleitungen in unserer Partnerschule? Privat darf man keine bauen.
Welche drei Fremdsprachen werden erlernt? Französisch, Englisch, Kirundi (nur in Burundi), Swahilli
Was gehört zur Schuluniform? Eine weiße Bluse zum blauen Rock
Ab wann und wie lange besuchen die Kinder die Schule? Lernen sie Deutsch? Welche Wahlmöglichkeiten haben sie? Ab sechs Jahren besuchen die Kinder für sechs Jahre die Grundschule. Deutsch lernen sie nicht. Nach den sechs Jahren können die Kinder nicht selbst eine bestimmte Schulart oder bestimmte Fächer wählen; sie werden vom Staat eingeteilt. In öffentlichen Schulen sind die Bedingungen schlechter als in Internaten, wo es wenigstens ein Essen gibt, wenn auch die Elektrizität oft ausfällt. Dort gibt es wenigstens ein Essen, wenn auch oft keine Elektrizität vorhanden ist.
Wie lange dauert der Unterricht? Es gibt zwei Gruppen mit je drei Klassen. Eine Klasse besteht aus 80 bis 90 Schülern. Die erste Gruppe hat von 7.30 – 13 h Unterricht, die andere von 13.30 bis 18 h. Auch samstags findet Unterricht statt.
Welche Fächer gibt es? Rechnen, Lesen und Schreiben sowie vier Sprachen in der Grundschule. Später kommen noch Fächer wie Geschichte und Erdkunde dazu. Für den Sportunterricht stehen keine Geräte zur Verfügung.
Wo machen die Kinder ihre Hausaufgaben? Meist in den Klasseräumen; denn daheim gibt oft kein elektrisches Licht, keine Tische und Stühle.
Wie lange ist der Schulweg? Unterschiedlich: Manche brauchen nur einige Minuten, andere müssen 45 Minuten laufen.
Warum tragen Kinder und Jugendliche Schuluniformen? Damit die sozialen Unterschiede nach außen nicht deutlich werden.
Gibt es mehr Krankheiten, weil mehr Kinder in einem Bett schlafen? Ja, weil die Ansteckungsgefahr größer ist.
Wie ist es mit abwechslungsreicher Ernährung und der Versorgungslage? Fast jeden Tag gibt es das gleiche Essen. Nur zweimal im Jahr dürfen sich viele Menschen in Burundi über Fleisch freuen. Die meisten essen nur einmal am Tag. Oft verzichten Eltern auf Nahrung, um die Kinder mit Kleidung und Essen unterstützen zu können. Burundi gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Erde. Die Eltern bekommen kein Kindergeld. Es herrscht große Arbeitslosigkeit; wenige Frauen bekommen eine öffentliche Stelle.
Warum baut die Schule nicht selbst etwas an, wenn das Land doch so fruchtbar ist? Leider steht der Schule nur ganz wenig Land zur Verfügung?
Haben Kinder die Möglichkeit, einen Kindergarten zu besuchen? In Städten und an einigen Orten gibt es einen Kindergarten. Nur für wenige ist der Besuch möglich. Spielzeug ist nicht vorhanden.
Wie steht es mit dem Wahlrecht? Ab 18 Jahren dürfen Frauen und Männer wählen.
Wie lange dauert der Flug nach Burundi? Von der Schweiz aus 8,5 Stunden. In der Hauptstadt Burundis gibt es einen kleinen Flughafen.

Im Namen der Schülerinnen dankte Sr. Nicolette für alles, was wir tun. Sie wünschte uns Gottes Segen.

Sr. M. Verena Röhrig


Die Burundi-AG mit Sr. M. Nicolette

 



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