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Euthanasie-Gedenkstätte Hadamar · 06.05.2014

Im Rahmen des Geschichts- und Religionsunterrichts haben sich die Schülerinnen der Klassen 10a und 10b auf die Exkursion zur Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar am 5. Febr. 2014 vorbereitet. Beim Themenfeld „Verantwortung für das Leben“ haben sie sich mit Fragen zum Beginn und Ende des Lebens, zur „Sterbehilfe“ und zum Schutz der Menschenwürde auseinandergesetzt. In der Unterrichtsreihe über die Herrschaft der Nationalsozialisten sind sie mit deren Euthanasieprogramm konfrontiert worden, aber auch mit Vertretern der Kirche, die dagegen protestiert haben.

Damit der Besuch der Gedenkstätte einen bleibenden Eindruck hinterlässt, haben sich die Schülerinnen eine Aufgabe aus folgenden Möglichkeiten ausgewählt: einen Bericht anfertigen, einen Brief, einen Tagebucheintrag oder ein Gebet aus der Perspektive der Betroffenen oder Beteiligten schreiben, ein Gedicht verfassen oder ein Bild malen. Mit großer Ernsthaftigkeit haben sich die Schülerinnen einer dieser Aufgaben gestellt. Einige Auszüge folgen:


Chantal Beeskau, 10a

„In zwei Gruppen hörten wir einen Vortrag über die geschichtlichen Hintergründe des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten und machten einen Rundgang durch die Gedenkstätte… Zuerst besichtigten wir den Holzschuppen, in den die Menschen mit einem verdunkelten Bus gebracht wurden, damit sie keiner sieht. Danach begaben wir uns in das Auskleidezimmer, anschließend in ein Ärztezimmer und einen Fotoraum. Zum Schluss brachte der Referent uns in den Keller. Wir alle hatten ein mulmiges Gefühl im Magen, denn das war der Keller, in dem die Menschen im Duschraum vergast und eingeäschert wurden. Zum Schluss besuchten wir den Gedenkfriedhof auf einem Berg, auf dem die Opfer meist in Massengräbern begraben wurden…“ (Michelle Schneider, 10a)


von Natalia Sapia, 10b

„… Unsere Gruppenführerin führte uns in den Keller. Wir gingen eine schmale, enge Treppe hinunter. Die Referentin erklärte uns, was in den einzelnen Kellerräumen damals passiert war. Wir sahen die ‚Dusche’, aus der das Gas ausströmte, und den Raum, in dem das Gas früher gelagert wurde…“ (Melina Schönberger, 10b)

„Die junge Frau erzählte uns viel über die Opfer, die nach Hadamar zur angeblichen ‚Heilanstalt’ kamen: Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Wir hörten erschreckende Geschichten über Hadamar, das eine ‚Mordfabrik’ war… Wir konnten die Gaskammer sehen, in der zwischen dem 13.1 1941 und dem 1.9.1941 ca. 10.000 Menschen vergast und verbrannt worden waren. Die Gaskammer war als Duschraum getarnt und nach dem Tod wurden den Opfern teilweise die Gehirne entnommen und dann an Universitäten zur Forschung geschickt…“
(Laura Hehl, 10b)


von Lea Sachs, 10a

Opfer schreiben:
„Liebes Tagebuch,
ich bin ein junges, gesundes Mädchen namens Anne Bern. Ich wurde in die Heil- und Pflegeanstalt nach Hadamar verlegt, da die Ärzte der Meinung waren, dass ich an angeborenem Schwachsinn leide. Den ganzen Aufwand verstehe ich überhaupt nicht! Möglicherweise entspreche ich nicht dem geforderten Ideal einer NS-Frau im Familienbild, da ich eine leichte Fehlstellung der Augen habe und somit eine Sehschwäche vorliegt. Doch trotz alledem bin ich total klar im Kopf und ganz bestimmt nicht schwachsinnig. Hier ist alles so bedrückend und kalt, außerdem machen mir die anderen Leute bei ihrem Anblick schon Angst. Ich weiß nicht, was ich in so einer Anstalt verloren habe und möchte einfach zu meiner Familie zurück…“ (Chiara Marescalco, 10b)

„… Ich hoffe, irgendwann nach meinem Tod findet jemand mein Tagebuch, damit alle wissen, was wir erlitten haben und dies nur, weil wir körperlich oder geistig etwas eingeschränkt sind. Ich meine, wir sind doch trotzdem ganz normale Menschen. Gott liebt uns alle gleich, für ihn gibt es keinen Unterschied, er hat uns alle gewollt.“ (Elena Heitz, 10b)


„Menschen bei klarem Verstand?!“ von Tabea Gerz, 10a

Tagebucheintrag einer Mutter:

„Liebes Tagebuch,
ich fuhr heute nach Hadamar, nachdem ich einen Brief erhalten hatte, in dem stand, dass mein Sohn Günter an einer Darmgrippe gestorben sei. Das konnte ich nicht glauben und beschloss daher, nach Hadamar zu fahren und mir selbst ein Bild davon zu machen.
Als ich dort angekommen war, fragte ich meinen geliebten Sohn Wolfgang, welcher wie sein Bruder am 20. Juni 1943 in die ‚Mischlingsabteilung’ nach Hadamar verlegt wurde, was mit Günter passiert sei. Er berichtete mir, dass sein Bruder an einem Ausflug nicht teilnehmen durfte. Am Abend sei er besinnungslos gewesen und anschließend gestorben. Ich war mir sofort sicher, dass der Tod herbeigeführt wurde. Daher wollte ich Wolfgang mitnehmen, um ihn vor einem wahrscheinlichen Tod zu bewahren. Doch dies wurde mir verwehrt. Ich bin mir sicher, dass Günter getötet wurde, weil er ein Halbjude ist und somit als erziehungsunfähig, kriminell veranlagt und verwahrlost eingestuft wurde. Was für ein Schwachsinn!
Ich hoffe, dass Wolfgang nicht das gleiche furchtbare Schicksal wie sein Bruder erleiden muss. Noch ein Kind zu verlieren ertrage ich nicht.“ (Lena Dames, 10a)


von Lara Simon, 10a

Eine Krankenschwester erzählt:
„Heute kamen vier Busse mit Menschen. Wir warteten zu Dritt auf sie. Der erste traf wie geplant um 10 Uhr ein und der letzte um 12.15 Uhr. Es war kalt heute und die Menschen in den Bussen wurden schnell unruhig. Nacheinander holten wir die Menschen aus den großen Bussen und platzierten sie davor. Doch heute war etwas anders, ich spürte: irgendetwas war komisch. Wir hatten Namenslisten und es wurde kontrolliert, ob alle Personen da waren. Ein Name fiel mir direkt ins Auge: Helena Becker. Eine Freundin meiner Familie trägt den gleichen Namen. Nachdem ich ihn aufgerufen hatte, war mir klar: Sie war es. Ich versuchte, mich an die anderen Gruppen zu halten, damit sie mich nicht erkennt…“ (Franziska Lind, 10b)

Tagebucheintrag eines Arztes:
„Liebes Tagebuch, das Schlimmste hat sich verwirklicht. Ich kann nicht mehr! Ich kann nicht mehr in den Spiegel sehen, denn da erblicke ich einen Menschen, der ich nicht sein will.
Ich kann und darf mich niemandem anvertrauen, denn sonst muss ich Angst um mein Leben haben. Ich kann nicht zulassen, dass weiterhin so viele unschuldige Menschen sterben. Ich kann nicht mehr lügen!
Jeden Tag aufs Neue muss ich mir Krankheiten überlegen, an denen die vielen Menschen angeblich sterben. Ich kann und will so nicht mehr leben! Ich sitze hier und muss an all die Menschen denken, die Tag für Tag sterben müssen, weil sie in Hitlers Augen wertlos sind. Aber wer darf bestimmen, wer wertlos oder nutzlos ist? Niemand. Jeder Mensch ist wertvoll…“
(Lea-Michelle Ruster, 10a)


von Lilly Kaiser, 10a

Gedanken und Gefühle eines Zeitzeugen:
„Die Nazis morden und meucheln und geben es nicht zu. Nehmen uns unsere Lieben weg. Nehmen sie weg und geben sie uns nie zurück. Sie nehmen ihr Leben, ihre Würde.
Haben sie dir und mir nicht schon alles genommen? Einen Bruder? Eine Schwester? Einen Teil von dir? Sogar den Mut zum Reden haben sie uns genommen. Und sehen wir es nicht alle? Sehen es alle und weinen stumm. Doch wer bringt den Mut auf und wird laut? Was sollen wir denn noch verlieren? Unser Leben unter einer Wolke aus Lüge, Tod, Angst und Schmerz?
Wer hat denn noch die Kraft, laut zu werden? Wer hat noch keinen Teil von sich brennen sehen – hoch oben über der Stadt?
Manchmal wache ich auf und frage mich das. Wache auf mit diesem Gestank in der Nase.
In meiner Nase und meinen Gedanken. Sogar meinen Kopf hat er schon verpestet. Meinen Kopf und mein Herz. Und wenn ich dann aufwache an solch einem Tag, denke ich an sie. Denke an meine Nachbarn, meine Freunde, die Tanten und Neffen, die Eltern und Partner. Und ich danke an meine Brüder und Schwestern. Und an meine Kinder – an UNSERE Kinder. Und dann blicke ich aus dem Fenster und sehe eine schwarze Rauchsäule über unseren Dächern.“
(Sophie Burger, 10a)


von Rebecca Penzel, 10b

Rückblick, Einblick und Ausblick

„Über 15.000 Menschen wurden von 1941 bis Kriegsende in Hadamar ermordet. Die Gedenkstätte erinnert an diese Euthanasie-Opfer. Was dort geschehen ist, war unmenschlich. Wir könnten nun den einfachen Weg gehen und sagen: ‚Das ist geschehen. Es war nicht schön, aber was soll ich machen?’ Oder wir nehmen den richtigen Weg und fragen: ‚Warum ist so etwas geschehen? Was kann ich tun, damit so etwas nicht noch einmal geschieht?’ Bei der Antwort auf solche Fragen hilft uns eine Gedenkstätte sie die in Hadamar. Wir sind es den Opfern und ihren Angehörigen schuldig, dass das Verbrechen nie vergessen wird.“ (Tessa Mager, 10b)

„Lieber Gott, … ich hoffe auch sehr, dass solche Gefahren und auch Ängste kein Mensch mehr durchmachen muss. Und ich danke dir dafür, dass wir in der heutigen Zeit in Frieden leben können.“ (Therese Meyer, 10a)

„Guter Gott, … Du gabst uns Menschen einen freien Willen. Hilf uns, dass wir diesen nicht missbrauchen, sondern fair zum Wohl der Menschen handeln. Schenke allen Ehrenamtlichen in Hadamar und anderen Gedenkstätten Mut und Kraft, dass sie weiter Zeugnis geben und somit den Opfern ein Stück Würde wiedergeben.
Ich bete für alle Behinderten und Menschen in sozialen Berufen. Zeige ihnen, dass sie in deinen Augen unendlich wertvoll sind. Amen.“ (Annika Debrich, 10a)


“Mensch, achte den Menschen“
(von Penelope Ramseger, 10b)

 



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