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Unternehmerin Linda Schuster (Famany) · 20.09.2013

Nachdem Vicky fünf Jahre lang regelmäßig spannende Einblicke in ihr Leben als WHU-Studentin gegeben hat und nun mit ihrem Master auch die Arbeit an ihrem Blog beendet, möchten Eva Kern (Abi 2007) und ich, nun da anfangen, wo Vicky aufgehört hat, nämlich beim Start ins Berufsleben – der sich bei uns allerdings ein wenig anders gestaltet als bei den meisten anderen frisch gebackenen Uni-Absolventen. Eva und ich haben uns bei der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs Rheinland-Pfalz im Mai wiedergetroffen, wo unsere Startups in den Kategorien IT und Multimedia bzw. Internet ausgezeichnet wurden.

Ich mache heute den Anfang und berichte von der Gründung meines Unternehmens www.famany.com. In der nächsten Woche folgt Eva mit ihrem Bericht über ihre Gründung. Mein Name ist Linda Schuster und ich habe 2009 an der Schönstätter Marienschule mein Abitur gemacht – die vier Jahre zwischen Abi und Gründung habe ich hauptsächlich mit meinem Studium im Fach „Kultur und Wirtschaft“ an der Uni Mannheim verbracht. Zwischenzeitlich war ich noch jeweils ein halbes Jahr in Prag und eins in Berlin, wo ich ein Praktikum in einer internationalen Booking-Agentur gemacht habe.

Parallel zum Studium habe ich in einer kleinen Eventagentur gearbeitet und zusammen mit dem Gründer der Firma den mittlerweile zweitgrößten Bandcontest für Nachwuchsmusiker in Deutschland aufgebaut. Seit 2012, also seit Beginn meines sechsten Semesters, bin ich Geschäftsführerin und leite seitdem ein Team aus sieben Mitarbeitern, die alle auch Studenten sind. Daher hatte ich schon eine gewisse Erfahrung im Aufbau und in der Leitung von Firmen – selbst ein Unternehmen zu gründen war für mich aber eigentlich nie eine Option, weil ich mir das nicht zugetraut habe und dachte, das Risiko, dass etwas schief geht, sei viel zu groß.

In meinem siebten Semester kam ein guter Freund von mir, Bernd, mit einer Unternehmensidee auf mich zu, zu der er gerne meine Meinung hören wollte. Darum habe ich mich intensiv mit der Idee beschäftigt und sie zusammen mit Bernd weiterentwickelt und in großen Teilen noch verändert – und dabei gemerkt, dass ich das Thema so spannend finde, dass ich mich gerne intensiv an dem Aufbau des dazugehörigen Unternehmens beteiligen möchte. Das war der Beginn von www.famany.com – dem Portal für Familie und Beruf.

Wir bieten Eltern, Pflegenden und allen, denen eine gute Work-Life-Balance wichtig ist, die Möglichkeit, ihren Arbeitgeber auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bewerten und mit anderen ihre Erfahrungen zu teilen. So können Menschen, die sich nach einem familienfreundlicheren Job umschauen, weil sie zum Beispiel die Gründung einer Familie planen und ihre Kinder gerne häufiger sehen wollen als nur zum Gute Nacht sagen, Informationen aus erster Hand bekommen, wo es gut möglich ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Familienfreundliche Unternehmen können sich über ein Profil, das sie mit Infos, Videos und Stellenanzeigen ausgestalten, aktiv als Firmen präsentieren, die die Bedeutung von einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkannt haben und so um motivierte und qualifizierte Mitarbeiter werben, die sie in Zeiten des Fachkräftemangels dringend brauchen.

Viele Fragen sich, warum wir uns mit einem Team von drei jungen Menschen, die noch keine wirklichen familiären Verpflichtungen haben, dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf widmen. Die Frage ist aber leicht zu beantworten: Zum einen ist uns selbst eine gewisse Flexibilität im Job sehr wichtig und wir haben flexible Arbeitszeitmodelle für die Zukunft des Arbeitens. Außerdem haben wir viele junge Eltern im Bekanntenkreis, die uns von ihren Problemen bei der Vereinbarkeit von Kindern und Job erzählt haben. Ich selbst habe neben Schule und Studium fast fünf Jahre in einem Altenheim gearbeitet (dem Sozialpraktikum sei Dank!) und dort live mitbekommen, wie schwierig es schon ist, die Besuche bei alten und kranken Angehörigen mit einem zeitintensiven Beruf zu vereinbaren. Die Anforderung, Pflege zuhause und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist wohl kaum vorzustellen.

Wir möchten jedenfalls in zehn Jahren, wenn wir Familien haben, nicht mit den Problemen zu kämpfen haben, die Pflegende und Eltern heute haben – und dafür müssen wir jetzt was tun.

An famany haben wir schon während des Studiums gearbeitet, aber die Entwicklungen neben Bachelorarbeit und Praktika und zwischen Hamburg, Frankfurt, Mannheim und Koblenz zu koordinieren, wo Mitglieder unseres Team gelebt haben, war nicht immer leicht. Irgendwann mussten wir uns entscheiden, ob wir den klassischen Weg, also Master oder Berufseinstieg als Angestellter, gehen wollen oder ob wir es wagen, uns nur noch um famany zu kümmern. Weil wir von der Idee überzeugt sind und waren und das, was viele nur als Risiko sehen, auch als Chance begriffen haben, sind wir im Februar nach Berlin gezogen, um famany hier aufzubauen – eine Entscheidung, die ich bisher noch nie bereut habe. Klar gibt es auch schwierige Phasen, in denen nichts passiert oder man Rückschläge erfährt und in denen es besonders wichtig ist, dass man sich und sein Team motivieren kann, um am Ball zu bleiben, aber wenn man die überwunden hat, hat man den größten persönlichen Lernerfolg davon getragen.

Ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass ich im letzten halben Jahr mehr gelernt habe als in 3,5 Jahren Studium – und das liegt mit Sicherheit nicht daran, dass mein Studiengang schlecht oder wenig fordernd war. Aber wenn man selbst gründet, muss man sich quasi alles selbst beibringen und erarbeiten, es sagt einem niemand, wie zum Beispiel denn jetzt PR-Arbeit eigentlich genau funktioniert – aber wenn man sich das erst einmal selbst beigebracht hat, dann kann man es auch zu hundert Prozent und vergisst es nicht direkt wieder, wie zum Beispiel nach einer Klausur. Das Tolle ist auch, dass man jeden Tag aufs Neue über sich hinauswachsen kann, seine Comfort-Zone verlassen und sich selbst herausfordern muss. Es gibt Dinge, die man sich eigentlich nicht (zu)traut, die aber kein anderer übernehmen kann, weil es nun mal DEINE Firma ist. Wie stolz war ich zum Beispiel, als ich einen international bekannten Investor auf einer Veranstaltung angesprochen habe und ihm famany vorgestellt habe. Etwas, was ich mich eigentlich nie getraut hätte – aber siehe da, es ging und wurde sogar noch sehr gut von ihm aufgenommen. Das ermutigt für das nächste Mal!

Das halbe Jahr bei famany hat mir gezeigt, dass es sich lohnt Chancen zu nutzen, Risiken einzugehen und sich Dinge zu trauen und zuzutrauen, die man eigentlich nicht für möglich hält. Und das muss nicht unbedingt die Firmengründung sein, sondern fängt schon bei kleinen Dingen an – die Bewerbung fürs Stipendium, die Gründung der eigenen Band oder der Sport AG, die man sich schon lange wünscht. Es gibt sicher unzählige Dinge, die jeder gerne tun würde – es aber lässt, weil der Mut fehlt. Deshalb mein Plädoyer an alle, die genau das kennen: traut euch und macht es einfach – klar kann es schief gehen, aber was sind die Konsequenzen? Die sind nämlich meistens nur halb so schlimm wie man denkt. Entweder ihr gewinnt oder lernt – also, auf geht’s!

Für Fragen, Anregungen und Tipps stehe ich euch gerne unter linda.schuster@famany.com Rede und Antwort!

 


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