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27.10.1912 – 27.10.2012: 100 Jahre Vorgründungsurkunde · 26.10.2012

Pater Josef Kentenich wirkte als Pädagoge lange bevor er am 1. Oktober 1945 die Schönstätter Marienschule eingeweiht und ihr den Namen gegeben hat. Das Foto zeigt ihn als Neupriester 1910. 1911 wurde er Latein- und Deutschlehrer in Ehrenbreitstein, ein Jahr später Spiritual, d.h. Vertrauens- und Verbindungslehrer für die Internatsschüler im neu erbauten Studienheim in Schönstatt (heute Theologische Hochschule).

Vor genau 100 Jahren hielt der damals 27-Jährige seinen Antrittsvortrag als Spiritual vor den Schülern im Studienheim und stellte darin sein pädagogisches Konzept vor, das so programmatisch ist, dass es als „Vorgründungsurkunde“ Schönstatts und seiner Pädagogik in die Geschichte eingegangen ist. Es folgen Auszüge aus dem Vortrag:

Programm
Welches ist denn unser Ziel? Diese Frage ist wichtig, weil von ihrer Beantwortung unser künftiges Verhältnis abhängt. Ich sage darum kurz und bündig:

Die Ausführung und Ausübung dieses Grundsatzes wird uns das ganze Jahr hindurch beschäftigen. Heute will ich nur einige Erklärungen dazu geben.
Wir wollen lernen. Nicht bloß ihr, sondern auch ich. Wir wollen voneinander lernen. Denn niemals lernen wir aus, zumal nicht in der Kunst der Selbsterziehung, die ja das Werk, die Tat, die Arbeit unseres ganzen Lebens darstellt. Wie wollen lernen, nicht nur theoretisch: so und so müsste man es wohl machen, so ist es gut, so ist es schön, meinetwegen sogar notwendig. Damit wäre uns wahrhaftig wenig gedient. Nein, wir müssen auch praktisch lernen, wir müssen Hand ans Werk legen jeden Tag, jede Stunde …
Selbsterziehung ist ein Imperativ der Religion, ein Imperativ der Jugend, ein Imperativ der Zeit.

Man braucht nicht sonderlich viel Welt- und Menschenkenntnis zu haben, um sich klar darüber zu werden, dass unsere Zeit mit all ihrem Fortschritt, mit allen ihren Entdeckungen den Menschen die innere Leere nicht nehmen kann. Alle Aufmerksamkeit, alle Tätigkeit hat ja ausschließlich den Makrokosmos zum Gegenstande, die Welt im Großen, die Welt außer uns. Und wahrlich, wir stehen nicht an, dem menschlichen Genius unsere Bewunderung zu zollen. Der menschliche Genius hat die gewaltigen Kräfte der Natur bezwungen und in seinen Dienst gestellt. Er umspannt jede Entfernung der Welt, er durchforscht die Tiefen des Meeres, durchbohrt die Gebirge der Erde und durchfliegt die Höhen der Luft. Immer weiter drängt der Forschungstrieb …
Aber eine Welt, die ewig alt ist und ewig neu bleibt, eine Welt – der Mikrokosmos, die Welt im Kleinen, unsere eigene Innenwelt, die bleibt unbekannt und undurchforscht …
Darum vorwärts … in der Erforschung und Eroberung unserer Innenwelt durch zielbewusste Selbsterziehung. Je mehr äußeren Fortschritt, desto größere innere Vertiefung … In Zukunft dürfen wir uns nicht mehr beherrschen lassen von unserem Wissen, sondern wir müssen unser Wissen beherrschen.
Es darf nicht mehr vorkommen, dass wir verschiedene fremde Sprachen entsprechend dem Klassenziele beherrschen, aber in der Kenntnis, im Verständnis der Sprache unseres Herzens die reinsten Stümper sind.
Je tiefere Blicke wir tun in das Streben und Weben der Natur, desto verständnisvoller müssen wir den elementaren … Gewalten in unserem Innern die Spitze bieten können.
Der Grad unseres Fortschrittes in den Wissenschaften muss der Grad unserer inneren Vertiefung, unseres seelischen Wachstums sein. Sonst entsteht auch in unserem Innern eine gewaltige Leere, eine gewaltige Kluft, die uns tief unglücklich macht. Darum Selbsterziehung!

 



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