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Maria Tuerk in Indien · 14.06.2012

Abi – und dann?

Das ist eine gute Frage. Studiere ich direkt? Gehe ich arbeiten? Praktikum? FSJ? Oder mache ich erstmal Urlaub?
Für mich kam es nicht in Frage, sofort zu studieren, da die Studiengänge, die mich interessieren, alle erst zum Wintersemester (dh. im Oktober) anfangen. Demnach galt es für mich, den Sommer zu überbrücken.
Mich hatte vor allem das Fernweh gepackt und ich entschied mich für ein Praktikum im Ausland – somit habe ich Arbeit und Urlaub zu gleich, eine prima Lösung.
Gebracht hat es mich nach Mumbai, Indien. Namaste!
Schon drei Wochen nach meinem Abschluss an der Schönstätter Marienschule startete mein Flug nach Südasien, wo mich neben den ganzen kulturellen und landwirtschaftlichen Eindrücken auch ein Praktikum bei der Deutsch-Indischen Handelkammer erwartete. Die Handelkammer hat neben ihrem Büro in Mumbai, auch noch fünf weitere Büros in Indien. Somit habe ich die tolle Möglichkeit, ein Praktikum sowohl in Mumbai als auch in Bangalore zu absolvieren und eine weitere indische Stadt zu erleben.

Jetzt bin ich aber erstmal in Mumbai und habe schon acht Wochen voller aufregender Erlebnisse hinter mir.
Es ist anders, nur über ein Land zu sprechen, als es selbst zu erleben. Indien ist allen bekannt, vor allem durch den Monsun, das köstliche Essen, die Armut und Cricket. All das erlebe ich hier jeden Tag, bis auf den Monsun, der Indien erst ab Mitte Juni erreicht – ich freue mich schon darauf!
Ich wohne in einer Wohnung in einem Stadtteil, das recht zentral in Mumbai liegt, in Worli. Es liegt direkt am Meer. Jeden Morgen fahre ich mit dem Bus ca. eine halbe bis einer dreiviertel Stunden zum Büro, es kommt dabei auf den Verkehr an. Ich habe auch schon mal eineinhalb Stunden gebraucht. Doch ich brauche mich gar nicht zu beklagen, denn viele Kollegen aus dem Büro fahren jeden Tag zwei Stunden zur Arbeit, hin und zurück! Eine Wohnung mitten in Mumbai ist halt sehr teuer.

Das Büro befindet sich ganz im Süden von Mumbai, in einem Hochhaus. Es ist recht groß – hauptsächlich ein Großraumbüro, dh. ich sitze mit sicher zwanzig Mitarbeitern in einem Raum. Zu meinen Aufgaben hier in der Kammer gehören Übersetzungen, Researches und die Bearbeitung einzelner Projekte. Außer ein, zwei weiteren Deutschen und einer Referendarin arbeiten sonst nur Inder und Inderinnen in der Kammer, was Englisch zur Hauptkommunikationssprache macht. Doch mittlerweile kann ich auch schon ein bisschen Hindi sprechen. Allerdings nur das Nötigeste, um mit dem Taxi- bzw. Rikschafahrer zu sprechen. Doch wenn man einmal angefangen hat ein Wort in Hindi zu sprechen, hört der Fahrer nicht mehr auf, Hindi zu sprechen – so ein Mist!

Neben dem Praktikum versuche ich aber auch viel von Indien, den Menschen und der Stadt Mumbai mitzukriegen. Mumbai ist bekannt als eine Stadt die nie schläft – und das ist absolut wahr!
Durch die krasse Armut in diesem Land, vor allem in dieser Metropole, sind Menschen gezwungen, auf der Straße zu leben. Bei meinen Busfahrten durch die Stadt komme ich zum Beispiel an verschiedenen größeren oder kleineren Slums vorbei. Es ist manchmal schon echt heftig, zu sehen, in welchen Verhältnissen manche Menschen hier leben müssen – viele sogar ihr ganzes Leben lang, für uns unvorstellbar. Bei meinen Nachtfahrten nach Hause sieht man überall Menschen auf dem Bürgersteig schlafen, ein Glück sind es dann noch rund 30 Grad!
Die Inder im Allgemeinen sind mir bisher als sehr freundlich, friedlich und hilfsbereit gegenübergetreten. Auch die Slumbewohner kommen mir so vor. Jedenfalls zeigen sie es nicht anders. Natürlich trifft man hier und dort auf bettelnde Frauen und Kinder, Verstümmelte oder kranke Menschen.
Auch wenn ich hier meistens nicht aus touristischen Gründen rumlaufe, sondern zum Einkaufen oder zum Essen, ist man – als Weißer – die größte Attraktion der Inder. Auch wenn neben dir das Taj Mahal steht, die Ausländer sind spannender! Es gibt mittlerweile sicher mehr Fotos von mir auf indischen Kameras oder Handys, als dass ich überhaupt Fotos gemacht habe! Auch wird man ständig angeguckt und beobachtet.
Daran muss man sich gewöhnen, wie an so vieles hier, an den Verkehr, den Gestank und Müll und an das scharfe Essen zum Beispiel.
Aber es ist so krass, wie stark unterentwickelt Indien noch ist und wie fortgeschritten Deutschland. Ich habe manchmal sogar das Gefühl, dass sich nach Indiens Unabhängigkeit von England 1947 nichts mehr getan hat.

Weiterhin war ich schon auf einem Cricketspiel, auf das ich zufällig eingeladen worden bin. Cricket ist für die Inder wie Fußball für uns, vielleicht sogar noch schlimmer. Die Inder sind absolut verrückt geworden in dem Station, natürlich im positiven Sinne – es war total witzig.
Mumbai ist ja eine sehr internationale Stadt, demnach habe ich schon viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern kennengelernt. Mit manchen gehe ich auch öfters mal aus und schnupper internationale Partyluft :-)
Ich bin auch immer wieder erstaunt wie viele Deutsche sich in Mumbai befinden. Ständig treffe ich welche. Der größte Zufall diesbezüglich war, als ich nach einem Discobesuch (die Clubs schließen alle um 1.30 Uhr und dann werden alle gleichzeitig rausgeschmissen) eine Gruppe von WHU-Studenten aus Vallendar getroffen habe, es war wirklich sehr lustig.

Indien ist jeden Tag für eine Überraschung bereit – ...mal sehen was mich heute erwartet!

(Maria Tuerk)


Taj Hotel und Gateway of India

 


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